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Applica aktuell

18. März 2022

Den Putz regelmässig unregelmässig ziehen

Es ist die hohe Schule des Kammzugs, die Rillen schnurgerade senk- oder waagrecht zu modellieren. Besonders herausfordernd wird die Aufgab­e, wenn die Gipser den Verputz über eine ganze Fassade ziehen müssen. Und der Schwierigkeitsgrad steigert sich weiter, wenn das Muster unregelmässig ist. Die Halter & Colledani AG hat diese Aufgabe gemeistert.

Es ist grundsätzlich schwierig, an einer verputzten Fassade einen sauberen, schnurgerade von oben bis unten laufenden Kammzug aufzubringen. Noch kniffliger wird die Aufgabe, wenn das Muster nicht über die ganze Fläche gleichmässig sein soll, sondern im Raster alle 50 cm gegengleich. «Dieser Wunsch des Bauherrn ist sehr speziell», sagt Bujamin Ibishi. Entwickelt wurde der Deckputz zusammen mit der Denkmalpflege, da ein Historisches Museum gegenübersteht.

Kreativität und Flexibilität waren von Anfang an gefragt, als Ibishi, der 31 Jahre alte Projektleiter Aussenwärmedämmung von der Halter & Colledani AG, das Projekt Fassade eines Mehrfami­lien-Wohn-Gewerbehauses im Nid­waldner Hauptort Stans in Angriff nahm. Als Vorbereitung ging er zur Feba Fassadenbauteile AG, der Lieferantin der Fenster­bänke. Dort nahm er die Masse der Bänke auf, um eine passende Schablone für das Ziehen des Fassadenmusters anfertigen lassen zu können.

Die in einem 30-Grad-Winkel rück­springende Fassade bedingt­e besondere Arbeitsabläuf­e beim Modellieren­ des Verputzes.
Die in einem 30-Grad-Winkel rück­springende Fassade bedingt­e besondere Arbeitsabläuf­e beim Modellieren­ des Verputzes.

Vier verschiedene Schablonen

Die Sache erwies sich als kompliziert. Schliesslich kamen vier verschiedene Schablonen mit den Massen 50, 100, 150 und 200 cm zum Einsatz. Hätte man nur eine 50er-Schablone verwendet, wäre diese nach jedem Zug gewendet worden, um das Muster mit gegengleichen Rillen zu bekommen. Bei den drei längeren Schablonen war dieses ­gegengleiche Muster bereits eingekerbt, was die Arbeit erleichterte, da es weniger Züge brauchte. 

Die Fassade hat zwar grundsätzlich ein senkrechtes Raster von 50 cm mit gegengleichem Muster. Die Anordnung der Rillen erzeugt jedoch den Eindruck eines Rasters von abwechselnd 50 und 100 cm, wobei es an einigen Stellen durch die Beschaffenheit der Fassadenfläche bedingte Abweichungen gibt. Ungewöhnlich ist auch, dass die vorstehenden Mörtelstege nicht rechteckig sind, sondern spitz zulaufen.

Wenn die Schablone in der Luft hing, musste besonders präzis gearbeitet werden.
Wenn die Schablone in der Luft hing, musste besonders präzis gearbeitet werden.

Keine Arbeit für jedermann

Worauf muss man achten, wenn man lange, über eine ganze Fassade laufende Kammzüge macht? «Es muss Hand in Hand laufen, es braucht darum auf jedem Gerüstlauf mindestens einen Mann», erklärt der Projektleiter. Und: Diese personalintensive Arbeit könne nicht jeder ausführen. Deshalb seien die fünf besten Männer von Halter & Colledani am Werk gewesen.

Nachdem die entsprechenden Holzlatten auf dem Untergrund der Fassade montiert waren, brachten die Gipser den Putz 10 mm dick nass in nass mit Holztaloche und Glättkelle auf. Anschliessend zogen sie die Struktur von unten nach oben und übergaben die Schablone jeweils an den nächsten Mann auf dem oberen Gerüstlauf. Um die nötigen klimatischen Verhältnisse zu schaffen, war das Gerüst eingehaust. So konnte der Zeitplan eingehalten werden.

Bujamin Ibishi (rechts) und seine Gipsertruppe.  (Bild: Raphael Briner)
Bujamin Ibishi (rechts) und seine Gipsertruppe. (Bild: Raphael Briner)

Ein- und ausspringende Fassade

Gefragt nach den grössten Herausforderungen nennt Bujamin Ibishi den Grundriss des Hauses. Die Fassade ist an der Ost- und der Westseite nicht eben, sondern rück- und vorspringend in einem Winkel von rund 30 Grad. Dies trennt sie quasi in jeweils zwei Flächen. Hätten die Gipser den Kammzug wie üblich von links anfangend nach rechts über die ganze Fassade gezogen, wäre das Raster in der Innenecke nicht aufgegangen. Deshalb zogen sie beginnend in der Mitte die eine Fläche von rechts nach links und die andere umgekehrt. Höchste Präzision war im Bereich der Fenster notwendig. Damit das Muster von unten bis oben gleichmässig geriet, durften die Männer nicht einfach bis zu den Leibungen ziehen und dann oberhalb neu ansetzen. Sie mussten durchziehen. Dies hatte zur Folge, dass ein Teil der Schablone im Bereich der Fensteröffnung in der Luft war. So ist schwieriger, das Werkzeug genau waagrecht zu halten. Darum wurden die Putzlatten teilweise über die waagrechten Leibungen hinausragend montiert. Ein weiteres Hindernis waren die Wasserspeier an der Fassade. Damit es zu keinem Unterbruch im Zug kam, schnitten die Gipser eine entsprechende Lücke in die Schablone.

Lesen Sie das ganze Interview in der aktuellen «Applica» -Ausgabe!

Text: Raphael Briner
Bilder: Halter & Colledani

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